Das Programm der 28. Herbstlese

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Bei der „Erfurter Herbstlese“ wird auf Tradition großen Wert gelegt. Andererseits geht Thüringens größtes literarisches Festival natürlich auch mit der Zeit. Am deutlichsten wird dieser Anspruch am Termin für die Veröffentlichung des Programms und den Beginn des Ticketverkaufs.

27 Mal waren beide Ereignisse fest mit dem Ende der Sommerferien verbunden. Bei der 28. Auflage sind sie ans Ende des Frühlings gerutscht. Für Herbstlese-Programmchefin Monika Rettig fast eine zwangsläufige Entwicklung. „Unser Festival muss sich im Konzert der Mitbewerber nicht nur in Erfurt behaupten“, nennt sie einen wichtigen Grund für den Ritt durch den Kalender. Viele andere Anbieter von Literatur und Unterhaltung gehen mit einem deutlich längeren Vorlauf in den Verkauf und die Werbung; bei den großen Festivals sind inzwischen drei Monate die Realität. Die längere Vorverkaufszeit, so das Kalkül beim Trägerverein, bietet die Chance, ein größeres Publikum zu erreichen. Daran hatte es in der Vorsaison nach den dürren Corona-Jahren zwar nicht mehr gemangelt, doch zeigt sich immer wieder, dass die Menschen ihr Geld mehr zusammenhalten als noch zur Herbstlese-Premiere 1997.

Auch die Zahl der Programmpunkte fällt 2024 etwas sparsamer aus. Angeboten werden 48 Veranstaltungen. Leider musste der Abend mit Charlotte Link bereits im Vorfeld wegen der Erkrankung der Autorin abgesagt werden. Dafür gibt es ein Herbstlese-Extra mit Charly Hübner und Caren Miosga. „Die Reduktion der Festival-Termine ist aus unserer Sicht sinnvoll und nötig, da mit der Sommerbühne im Kultur: Haus Dacheröden eine weitere Veranstaltungsreihe etabliert wurde“, erläutert Monika Rettig.

Ohne Veränderung blieb indes das Motto des Lesefestes, das traditionell mit einem Fragezeichen versehen wird. „Morgen ist auch noch ein Tag?“ lautet es und spannt einen weit ausholenden Bogen. Zum einen klingt darin gelebte oder erlittene Prokrastination an. Auf der anderen Seite schwingt im Motto die Sorge mit, sich von Dingen verabschieden zu müssen. Im Extremfall stellt es sogar die Welt, wie die Menschen sie heute kennen, in Frage. Was, wenn es angesichts von ausufernden Kriegen, Seuchen und irreparablen Schäden der Umwelt gar kein Morgen mehr gibt?

Grafik: Erfurter Herbstlese e.V.

Als erstes versucht das Literarische Quartett (nach dem Hübner-Miosga-Extra) mit Hilfe von vier aktuellen Büchern dieser Frage nachzuspüren. Den Schlusspunkt setzt, ganz klar, Denis Scheck, der wie immer zum Ende virtuos die Welle der Neuerscheinungen reitet. Neben dem Kultur: Haus Dacheröden gibt es (temporäre) Lesebühnen im Theater Erfurt, im Ratsgymnasium, im Atrium der Stadtwerke, bei Hugendubel, in der Zentralheize und im Augustinerkloster. Dabei warten auch wieder etablierte Formate wie „Gysi trifft in Erfurt …“, „Poesie & Politik“ sowie „Highslammer“, „Debütantensalon“, „Gemischtes Doppel“ und die Preisverleihung zum Eobanus Hessus Schreibwettbewerb auf ihr Publikum. Mit Marie Niehoff ist auch eine Vertreterin von New Adult dabei.

Zu den literarischen Highlights zählt bestimmt die Buchpremiere zu Heinz Strunks „Zauberberg 2“, dazu geben sich Clemens Meyer, Iris Wolff und Saša Stanišić die Ehre. Sven Regener gestaltet einen Kafka-Abend, das Genre Krimi besetzen u.a. Volker Kutscher und Håkan Nesser. Im Fachbereich Unterhaltung haben sich Oliver Kalkofe, Horst Evers, Cordula Stratmann und John Strelecky eingeschrieben. Dazu kommen bei der „Jungen Herbstlese“ noch Marion Brasch mit ihrem ersten Kinderbuch, Ralph Caspers und Stephanie Garber als internationale Autorin. Das kulturelle Jahresthema der Stadt Erfurt „Barrieren brechen – Kultur entfachen!“ ist im Programm durch das Buch „Zusammensein. Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit“ vertreten. Die Autorin Hadija Haruna-Oelker schreibt darin aus der Sicht einer Mutter eines behinderten Kindes.

Ab dem 12. Juni ist das vollständige Programm auf www.herbstlese.de einzusehen. Tickets können gebucht und gekauft werden ab dem 15. Juni, 9.30 Uhr entweder online oder im Kultur: Haus Dacheröden, bei Hugendubel am Anger und im Thüringen-Park sowie an allen VVK-Stellen des Ticketshops.

Text: PM Erfurter Herbstlese e.V.