Tanzmusik mit Erobique

863

Lange hat es gedauert, aber nun war es soweit: am 16. Juni erschien „No. 2“, die neue Platte von Carsten Meyer, besser bekannt als Erobique. Im Zuge dessen besucht der musikalische Tausendsassa am 25. Juni auch Erfurt und spielt ein Open Air auf dem Petersberg. Wir sprachen mit ihm über das neue Album voll entspannter und äußerst tanzbarer Disco-Songs, Musik in der Zukunft und besonderen Momenten mit dem Publikum.

Herr Meyer, Glückwunsch zum 2. Erobique-Album in 25 Jahren! Eigentlich würde ich gerne fragen, warum es so lange gedauert hat, aber wenn man einen Blick auf ihre Discographie wirft, kann man sich die Antwort fast schon denken. Es scheint, als war Ihnen nie langweilig.

Carsten Meyer: (Lacht) Ja, das stimmt. Musikalisch war immer was los. Aber es gab auch noch einen weiteren Grund: es ist nicht ganz so leicht, auf Platte die Stimmung von tanzendem Publikum einzufangen und abzubilden. Das wollte ich aber erreichen, auch deshalb hat es etwas länger gedauert.

Ich habe in einer großen Online-Plattentauschbörse nachgeschaut und dort 25 Veröffentlichungen unter dem Namen Erobique sowie fast 90 Remixe, Features, Kompositionen und Soundtracks gefunden, an denen Sie mitgewirkt haben.

Carsten Meyer: Oh wow! Ich habe das alles nie durchgezählt… (überlegt kurz) Aber ja, das kommt schon hin.

Wann fing die Arbeit für das neue Album denn an? Sind die Songs alle taufrisch oder gibt es manche der Titel schon länger?

Carsten Meyer: Ich habe mich im Frühjahr letzten Jahres hingesetzt und mein ganzes musikalisches Archiv durchforstet. Da sind Arbeiten dabei, die reichen zurück bis ins Jahr 2009. Ich musste schon richtig aussieben, man hätte mit dem Material sicher noch zwei, drei weitere Platten machen können. Aber irgendwann hatte ich mich entschieden und dazu kamen dann noch Sachen, die direkt auf der Bühne entstanden sind. Also ein Mix aus alt und neu.

Sie arbeiteten für „No. 2“ mit vielen Musikern und Musikerinnen zusammen: die Bläsersektion von Disco No. 1 ist dabei, dazu DJ Friction und Nicola Rost, um nur einige zu nennen. Sind diese Zusammenarbeiten am Ende das Salz in der Erobique-Suppe?

Carsten Meyer: Das kann man so sagen, die Beteiligten machen den Sound erst rund. Vor allen Dingen, weil ich alle persönlich getroffen habe und wir uns nicht nur Soundfiles hin- und hergeschickt haben. Das machte das Werkeln an der Platte viel schöner. Alleine der Austausch untereinander war es schon wert und sorgte für eine entspannte Stimmung, die man der neuen Platte hoffentlich auch anhört.

Carsten Meyer alias Erobique lädt mit neuem Album im Gepäck zum Open-Air Tanz auf den Petersberg.
Foto: Anne Backhaus

In den letzten Jahren hat sich das Musikgeschäft rasant weiterentwickelt. Es ist mittlerweile möglich, ohne großes Budget Musik zu machen und vor allen Dingen auch problemlos digital zu veröffentlichen. Aber wächst mit der Quantität auch die Qualität?

Carsten Meyer: Ich finde ja. Viel neue Musik bedeutet auch viel gute Musik, es wird nur etwas schwieriger, diese in der Flut der Veröffentlichungen zu finden. Für Musik kann es nie schlecht sein, wenn Produktionsmittel quasi demokratisiert sind und alle mitmachen können. Ist doch spitzenmäßig, wenn man auf seinem Handy Musik machen kann. Außerdem stehen wir vor der AI-Revolution, da wird sowieso alles nochmal richtig durch den Wolf gedreht. Ich bin sehr gespannt, was in Zukunft alles passieren wird.

Sie sprechen über ihre Auftritte gerne von einem „Dabei-Sein-Moment“, den Sie gemeinsam mit dem tanzenden Publikum erleben. Wieviel geschieht auf der Bühne spontan und was ist geplant?

Carsten Meyer: Vorbereitung ist auf alle Fälle dabei. Ich kann es kaum erwarten, das neue Album zu präsentieren. Dazu wird für die Auftritte hier und da noch etwas in die Songs eingebaut und natürlich auch vorher geprobt. Denn auch wenn es paradox klingt: je besser ich vorbereitet bin, umso freier und entspannter kann ich auf der Bühne wieder werden.

Sie sagten einmal, ein guter Disco-Abend muss geformt sein wie ein W. Oben beginnen, dann Zeit zum Luftholen finden, anschließend ein kleines Zwischenhoch, nochmal kurz durchschnaufen, aber nur um Anlauf zu nehmen für das große Finale. Wird das auch in Erfurt ihre Maxime sein?

Carsten Meyer: (Lacht) Diesen Trick hat mir mein Vater mitgegeben, der auch Musiker war. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Eine ordentliche Berg- und Talfahrt ist immer spannender als ständig nur Vollgas. Ich versuche das stets zu beherzigen und so wird es auch in Erfurt eine hoffentlich tolle Disco-Sause geben! Ich freue mich wirklich drauf!

Herr Meyer, vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Michael Stocker

Erobique Open Air: am 25.06.2023 ab 16 Uhr auf dem Petersberg in Erfurt.

Dieser Text erschien in leicht gekürzter Fassung in Ausgabe Nr. 72 des tam.tam Stadtmagazins.